Krach mit der Schale von Äpfeln haben

„Mein Mann ist für Sport und Technik“, sagt mir Ingrid. Sie spricht im Präsens von ihm, besucht ihn täglich von 15 bis 17 Uhr auf dem Sterkrader Friedhof und gibt mir zu verstehen, dass sie heute auch „nur ganz ausnahmsweise“ am Erzählcafé teilnehme, „die Stunden zwischen drei und fünf gehören meinem Mann“. Ihre gemeinsamen Kinder hätten schon auf Ingrid eingeredet, die täglichen Verabredungen auf drei Tage in der Woche zu reduzieren, aber da sagt Ingrid, auch uns: „Ich habe ihm aber noch so viel zu erzählen.“

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Ich finde dieses Europa sehr schön

„Die Alten haben nicht an die Jungen gedacht, nur an sich selbst“, nuschelt Horst in seine Kaffeetasse, heute, am 24. Juni 2016. Der Brexit hängt den Bewohnern der Gute Hoffnung in den Mündern fest, kürzlich passiert und schon lästig, ärgerlich so irgendwo zwischen Zähnen und Hals. Ursula, die wegen der Liebe ihres Lebens lange Zeit in England gelebt hat, kommentiert da mit etwas mehr Schmackes den drohenden Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union: „Die sind enttäuscht und nun können sie nicht zurück. Die haben aus Protest gewählt, die wollten eigentlich, dass man drin bleibt, aber: Weit gefehlt! Da ist der Boris jetzt sprachlos.“

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Kirmes Heiligabend

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„Nächsten Monat muss das Erzählcafé ausfallen“, begrüßt mich Kathrin, in gewohnt trällernder Melodie und mit doch fester Absicht auf der Inhaltsebene, „da ist hier in Sterkrade Fronleichnamskirmes!“. Kurz stelle ich mir Helga, Hermann und Edith in der Krake vor, wie sie kopfüber durch die Luft wirbeln und Zuckerwolken aus der Luft verkasematuckeln, will protestieren, dass wegen eines Riesenrades wohl kaum eine Veranstaltung mit Senioren im zweistelligen Bereich ausfallen könne, da werde ich erstmal ‚getauft‘…

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Bückling kann ich nich, auch nich mit Sekt

eingang„Fisch oder Fleisch?“ fragt Heinz, als wir über unsere Festtagsmenü-Pläne zu Ostern sprechen. „Als ob Du Fisch machen würdest“, streichelt Helga, seine Frau, ihm sanftmütig-rüffeln über den Arm und lacht. „Stockfisch, und getrockneten Fisch auch, hehe“, kichert Heinz und findet sich dabei selbst sehr liebenswürdig.

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Datt krich ich auch mit starker Lupe nich mehr hin

Der Lauf des Grendbachs machte einen Schlenker unter sein Haus, erzählt er mir, genauer: zwischen der Waschküche und der Vorratskammer seines Wohnhauses in Essen-Steele. Die Grenze zwischen dem Rheinland und Westfalen, sie wurde entschieden von der untersten Stufe der Treppe des Kellers von Horst.

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All we have to do: Kunst rauslassen!

Der Weg zur Guten Hoffnung

Blitzschnell haben sie mich fixiert: Zwei kleine Mädchen mit Zöpfen und Zottelpony, die bis eben noch aus Schaumstoffwürfeln, Trapezen und Halbrundsäulen ihr Reich vor das bodentiefe Fenster gebaut haben. Aus der Neuapostolischen Kindertagesstätte NAKiTa folgen sie mir mit Nasen an der Scheibe, den ganzen Fußweg „An der Guten Hoffnung“ entlang, bis ich mit meinem Sohn in der Trage das Seniorenzentrum Gute Hoffnung leben und wohnen erreicht habe. Hier ereignet sich heute am 29. Oktober 2015 das „2. Sterkrader Symposium über quartiersnahe Versorgungskonzepte für Menschen mit Demenz“.

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Meine Großmutter, der schwierige Mensch

Trauerrede für Valeska M., geboren 1918 in Duisburg-Hamborn, verstorben 2016 in Duisburg-Bruckhausen, entstanden auf der Basis eines Gesprächs mit der Enkelin der Verstorbenen.


Wenn ich, Ada, meinem Gefühl für meine Oma Valeska eine Form gebe, es an eine frühe Erfahrung knüpfe, so wäre es für mich, für mich ganz persönlich, diese kleine, durchsichtige Röhre mit den geschliffenen Plastikperlen, die Oma Valeska mir schenkte. Die Perlen konnte man, ganz ohne Faden, einfach zu einer Kette ineinanderstecken – gelb, grün, blau, rot… – und sie stumpften mit der Zeit, von all den Colliers, die ich mir variierte, an den Schliffkanten weiß ab.

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Jahresgruß 2016

Es ist dort, wo sich mir die Frage nach ihm nicht stellt.
Dass ich ‚so‘ sein darf, ist seine Selbstverständlichkeit.
Ein dem anderen ganz zugewandtes Interesse kann ich, nur von ihm aus,
wagen. Es für mich zu wissen, macht mich immer wieder
neugierig: „Wer bist Du?“, „Wohin führt Dein Weg?“.
Es lässt mir Begegnungen bereichernd sein und in gute Wendungen
vertrauen. Zuversicht liegt in ihm selbst begründet. Und sie macht es
zu etwas Unzerstörbarem, für –
mich.

Mein Zuhause ist dort, wo ich sein will. Wo ich sein zu wollen dürfen muss, wenn ich es selbst vielleicht nicht mehr kann. Das Quartier lebt aus dieser Guten Hoffnung. Es von Zeit zu Zeit selbst genauer zu betrachten, schöpft Kräfte und hebt Schätze für die Zukunft.

 für die Gute Hoffnung leben und wohnen Oberhausen

Ohne das Heute für schlechter zu halten, als ‚früher war alles…‘ gewesen ist.

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„Also WIR hätten nicht mit unseren Hosen auf dem Fußboden rutschen dürfen!“, poltert Rosemarie gleich los, in einer Mischung aus Empörung und Neid, als sie zwei kleine Jungen beobachtet, die mit vollem Einsatz ihrer kleinen Körper noch kleinere Matchbox-Autos vor sich her schubsen, kniend und rutschend, immer feste über das Industrieparkett. Eine zweijährige Locke und eine Zahnlücke von elf Jahren flitzen heute durch das Erzählcafé des Café Bistro Jahreszeiten, weil sich zu den üblichen Gesprächen, zu Kaffee mit Erinnerung, der Nikolaus angekündigt hat.

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