Irene kocht Pudding zum Einschlafen

Irene kocht Pudding zum Einschlafen. Zwischen 1 und 4 Uhr kann sie „immer nicht schlafen“. Und dann schlurft sie sich vor den Einbauherd ihrer kleinen Kochnische und lässt Milchtropfen in das Puddingpulver kullern. Die wollen sich dann, auch immer, hartnäckig nicht auflösen. „Und dann werde ich müde, so müde…“

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Der eine kannse nich mehr halten, der andere kannse nich mehr sehen, aber et klappt!

„Kommt ne Ameise ins Zimmer“, beginnt sie zu erzählen und lässt dabei weißen Zucker in einer breiten Linie auf den Tisch rieseln. Ich stelle mir vor, dass es brauner Zucker ist und sehe, wie ein Ameisenvolk vor Utes Platzdeckchen zu wabern beginnt. „Und die hat ihre ganze Verwandtschaft mitgebracht.“

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„…datt war kein schöner Job mit all den schwarzen Krömmelkes zwischen de Zähne!“

Ilse ist neu hier. Sie erzählt mir gleich, wie die Straße in Oberhausen Sterkrade heißt, auf der sie gewohnt hat, und sieht mich kurz erwartungsvoll an. Zusammen mit ihrem Freund habe sie dort ein paar Jahre verbracht, bis er starb. „…datt war kein schöner Job mit all den schwarzen Krömmelkes zwischen de Zähne!“ weiterlesen

Frau mit Ohrclips holt Geld ab, damit Mann es nicht verspielt

Saftig und fein püriert. Die satte Schicht aus säuerlich glänzenden Äpfeln. Irene fährt sie mit den Augen in der Quadratur eines Blechkuchenstücks ab. Sie erzählt währenddessen, dass die Lätta gerade bei Netto im Angebot sei und sie sagt so Sätze wie: „Die Pralinen lasse ich gerade weg.“ Katrin „faste“ noch bis Gründonnerstag „Schimpfwörter“, denn schließlich könne man sich nur über individuellen Verzicht auf sich besinnen und seiner selbst bewusst werden.

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Jahresgruß 2018

Wir können entwickeln,
beim Verspinnen knotiger Fäden,

können gestalten,
noch in den Falten knittrigen Papiers.

Spannen Netzwerk und Richtschnur, mit Briefkopf und Siegel.

Papierflieger auch.

 

Gehen dann und wann ein paar Schritte zurück, ins Größerwerden,
denn stapeln dabei nur,
was sonst zu wenig tief für uns wäre.

Uns schon genügen
wir
reichen über uns hinaus.

Wir richten uns ein, wenn wir die Behaglichkeit verlassen, balancieren uns aus, wenn wir nur ein bisschen schief schauen. Vor allem uns selbst an.
Und heben

das uns eigentlich Tragende. Unser Quartier.

 

 

Jahresgruß 2018

Sarah Sander für die Gute Hoffnung – leben gGmbH

Und dann gehen dir die Puppen flöten

Als ich heute den Vortragssaal des Bistro Jahreszeiten betrete – das Café ist von geschlossener Hochzeitsgesellschaft besetzt – zupft Ingrid bereits versonnen an einer Zither. Ein schwarz lackiertes Holzinstrument, mit roten und blauen Streublumen bemalt, das ihr einst Alfred zur Goldenen Hochzeit geschenkt hat. Auf einem Teewagen schiebt Ingrid im Wechsel alter Volkslieder die Notenschablonen unter die etwas verstimmten Saiten, vor Kopf eines gemütlich aus kleinen Tischen zusammengestellten Kreises, und lässt die alten aber sicheren Finger eine Melodie streicheln. Etwa einen Zentimeter über 16 Uhr, an einem Samstag im heute etwas verschlafenen Oberhausen Sterkrade.

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